nicht veröffentlichte Texte
Die unendliche Geschichte ...
Die unendliche Geschichte des Wahnsinns, Leben genannt –
einschließlich der vielen wunderbaren Dinge, die trotz allem immer noch geschehen ...
... und mein Teil daran, den ich ab Ende 2022 und im Jahr 2023 erlebt habe
Für alle meine guten Wegbegleiter, meine Familie - und auf die Freundschaft
Es ist erstaunlich, durch welche Gefühlsmühlen man durch muss, um nach einem traumatischen Erlebnis wieder in die Raster eines normalen Lebens zu passen. Seit ich in Griechenland lebe, mittlerweile also seit 13 Jahren, kommt mir im Alltag immer wieder das Wort καθάρισμα / Katharisma vor die Augen, von dem das auch im Deutschen gebräuchliche Fremdwort Katharsis abstammt. Jetzt, da ich dies alles endlich aufschreibe, Ende Mai/Anfang Juni 2023, kenne ich die Bedeutung dieses Wortes – Reinigung – in- und auswendig. Es ist nicht nur eine Säuberung im eigentlichen Sinne, es ist ein Fortspülen, ein Mitreißen all dessen, was war, durch die Wassermassen von Erlebtem und Erfahrenem. Eine Grundreinigung, sozusagen, bei der nichts unberührt bleibt.
Ich habe schon viel Stress in meinem Leben erlebt, auch viel Trauer, aber noch nie eine so dichte Zeit von Trauer und Stress. So viel an Emotionen, an Gefühlen des Scheiterns, des Bestraft-Werdens, der Hilflosigkeit, des Aufgeben-Wollens. So viel Zeit an neu erwachter, nie wirklich versiegter Freundschaft, die lange vorher begann und die lange nachwirken wird. Die aber genau jetzt im Moment wichtig ist und vor allem eins: da! Und die Kraft von Familienbanden, die dann am stärksten wird, wenn sie sich doch scheinbar aufzulösen beginnen; wenn Strukturen sichtbar werden, die man nicht kannte, wenn Geliebtes hinweggeschwemmt wird durch Tod und Wahrheitsfindung und wenn plötzlich doch die Seile halten, die man törichterweise irgendwann einmal gemeint hatte, kappen zu müssen.
Aber der Reihe nach.
Ich solle nicht im Traum daran denken, so bläute mir meine Mutter vor etwa sechs, sieben Jahren ein, im Notfall an Ihr Sterbebett zu eilen. Es sei nicht nötig, ihr die Hand beim Sterben zu halten; ich würde eh sicher zu spät von meiner Insel nach Berlin kommen, zumal im Winter, wenn Stürme wüteten und keine Flüge gingen. Und auch danach sei meine Anwesenheit nicht erforderlich – es sei für alles gesorgt, ein Jegliches wäre bereits geregelt, und helfen könne ich ihr dann ja sowieso nicht mehr.
Das erinnerte mich an den recht frechen Spruch, den ein mir nahe stehender Priester in seinen jüngeren Jahren gerne zum Besten gab. Er ging: „Praktisch denken, Särge schenken – einen Sarg braucht jeder!“
So, nämlich ähnlich praktisch, war meine Mutter auch immer gestrickt.
Da ich die zuletzt verstorbenen, mir am nahesten stehenden Verwandten kenne, glaube ich die Erlaubnis zu haben, das Folgende in einer etwas flapsig-ironischen Form vortragen zu dürfen – es entspräche ihrem Humor:
In unserer Familie wird grundsätzlich nicht „gewöhnlich“ gestorben; nicht im Bett und als Folge von Krankheit oder Alter, sondern gerne unter spektakulären Umständen, mit Beteiligung von Notfallärzten, Feuerwehr und Polizei. Das geht schon seit Beginn des neuen Jahrtausends so. Die Letzten, die noch im alten Millennium einen „normalen Tod“ hatten, waren Oma und Opa, die beide das große Los gezogen hatten, sicher der Wunsch von vielen anderen auch: Nach jeweils langen Leben starben beide im Schlaf.
Über den Tod meines Vaters und die damit verbundenen erstaunlichen „Zufälle“ und Ereignisse berichtete ich bereits in meinem ersten Buch „Zwischen den Welten“, über seltsame Vorgänge an seinem ersten Todestag dann im Roman „ Im Wendekreis der Abendsonne“. Nachtragen muss ich, dass ich erst Jahre später aus dem Fernsehen erfuhr, warum der hochmoderne Herzschrittmacher meines Vaters plötzlich in seiner Brust explodiert war. Der Fernsehjournalist Dagobert Lindlau berichtete nach Recherchen in eigener Sache über dem Skandal. Die seinerzeit massenhaft implantierten, in Polen produzierten Geräte hatten, wie man später feststellte, zu dünn isolierte Drähte, was zu Abnutzungen und im schlimmsten Falle zum Kurzschluss und damit zum qualvollen Tod der ahnungslosen Patienten führte. Lindlau hatte das Glück, seinen Schrittmacher austauschen lassen zu können, bevor ihm das selber passierte. Mein Vater hatte dieses Glück vor 21 Jahren nicht.
Dann kam, im wahrsten Sinne des Wortes, der Fall meiner 84-jährigen Mutter. Viel zu lange hatte sie es verstanden, bei Telefonaten über die Tausende Kilometer, die uns trennten, das wahre Ausmaß ihrer sich entwickelnden Demenz zu verschleiern. Die Tatsache, dass wir wegen Corona nicht reisten und uns daher nicht sahen, half ihr dabei. Irgendwann im vergangenen Herbst war es nicht mehr zu verheimlichen, und ihr 10 Jahre älterer Ehemann Werner, sozusagen mein später Stiefvater, sprach am Telefon zunehmend offen über die Probleme, vor allem ihre nächtliche Sucht danach, wegzulaufen. Manchmal merkte er es gar nicht, wenn er Fernsehen guckte oder schlief. Einmal war meine Mutti nachts in etwa fünf Kilometer Entfernung am Gerichtsgebäude in Köpenick gefunden und wieder nach Hause gebracht worden.
Ich machte ihm klar, dass er sich mit dem Gedanken anfreunden müsse, die Mutti in ein Heim zu geben. Auf jeden Fall aber reichte es bis dahin nicht aus, die Wohnung in der zweiten Etage einfach abzuschließen, er müsse auch den Schlüssel abziehen und verstecken.
Und dann kam der alles verändernde Anruf. Werner berichtete, dass in der Nacht zuvor meine Mutti, von ihm unbemerkt, das Badezimmerfenster geöffnet habe, um auf diese Weise ins Freie zu gelangen. Unglücklicherweise ist die bauliche Situation im Bad meiner Mutti so, dass es auch für eine ältere Person (oder für ein Kind) ein Leichtes ist, dort hinaufzugelangen. Und dann verlor sie die Balance oder den Halt – oder beides.
Als die Rettungskräfte sie fanden, hatte sie alles dabei, was sie ihrer Meinung nach für einen Ausflug benötigte: Unter anderem fand man in ihrem Beutel eine Küchenschürze sowie den Pyjama ihres Mannes. Eine Selbstmordabsicht wurde ausgeschlossen.
Ironie der Geschichte: Gerade am Vortag hatte ich im Fernsehen einen Bericht über den Schlagersänger Rex Gildo gesehen, der vor Jahren seinem Leben durch einen Sprung aus dem Badezimmerfenster ein Ende gesetzt hatte ...
Meine Mutti überlebte den Sturz, aber sie war wohl nicht mehr bei Bewusstsein und war wegen ihres Alters, ihrer schweren Verletzungen und ihres geringen Gewichts inoperabel. Am zweiten Tag nach dem Unfall schalteten die Ärzte die Maschinen ab.
Mittlerweile saß ich auf einer Insel im spätherbstlichen Griechenland, mit keinen Flügen und mit so stürmischem Wetter, dass auch Busreisen nach Athen (die unweigerlich Schiffsreisen beinhalteten) so gut wie unmöglich machte.
Mutti hatte recht behalten; ich sollte nicht kommen, und nun konnte ich auch gar nicht kommen.
Die Beisetzung meiner Mutter fand, wie man so schön sagt, „in aller Stille“ statt. Ich war nicht anwesend, wurde aber durch meinen Sohn und seine Familie sowie eine meiner besten Freundinnen vertreten. Mittlerweile hatte ich auch zuhause einen Krankenhausbetrieb; sowohl mein Hund als auch mein Mann hatten schwere Harnwegsinfektionen und benötigten intensive Pflege. So entstand der Plan, meinen bis dahin sehr rüstigen Stiefvater im Mai zu besuchen, wenn wieder Flüge gingen, das Wetter berechenbar wäre und meinem Hund eine Übernachtung im Außengehege des Tiertrainers zuzumuten war. Dann wollten wir alle noch notwendigen Angelegenheiten hinsichtlich Muttis Nachlasses und persönlicher Unterlagen sortieren und regeln. Einen Termin beim Notar in Berlin besorgte ich ihm schon im Februar, um die notwendigen Papiere zu beantragen.
„Abenteuer beginnen da, wo Pläne enden.“ Diesen Spruch fand ich auf einer Postkarte, die ich mir kaufte, als alles, was ich ab jetzt noch berichte, vorbei war. Denn es ist das ideale Motto für die Geschehnisse, die mich dann ab Ostern heimsuchten und mit denen es erst richtig losging mit Stress und Trauer.
Denn um Ostern herum reagierte Werner nicht auf Anrufe und Türklingeln, und am Ostersonntag erhielt ich eine Email von einem besorgten Nachbarn. Dergestalt alarmiert, rief meine alte Schulfreundin Martina an. Sie wohnt in Friedrichshagen über der Feuerwache, weil ihr Mann im aktiven Berufsleben Objektleiter bei der Freiwilligen Feuerwehr war. Martina hat ihr ganzes Leben als Gemeinde- bzw. Palliativschwester in Hausbetreuung gearbeitet. Auch wenn sie jetzt im Ruhestand war wusste ich, dass sie mir mit Rat und Tat weiterhelfen konnte. Und so war es auch. Da eine (sehr alte) Hausbewohnerin den Schlüssel zur Wohnung von Werner hatte, meinte Martina, sie fahre jetzt zu Werners Wohnung, und ich benachrichtigte die Hausbewohnerin, dass sie Martina die Schlüssel geben sollte. Und so war es Martina, die Werner im Badezimmer fand. Er musste dort schon einige Tage vorher vom Tod überrascht worden sein.
Und wieder waren Polizei und Notärzte vor Ort und untersuchten, wie schon bei Muttis „Fall“, alles ganz genau. Aber auch hier war klar, dass es kein Fremdverschulden gab. Die Wohnung wurde versiegelt und der Schlüssel lag jetzt bei der Polizei. Diese, in Form des leitenden Kommissars, machte mir nach den Osterfeiertagen klar, dass ich im Moment gar nichts mehr tun könne, auch wenn ich sofort käme: Meine Rechte, als Tochter meiner Mutter deren Wohnung zu betreten, waren nunmehr erloschen und ich sah mich nicht, wie ich vermutet hatte, einer, sondern gleich drei Stiefschwestern gegenüber. Entgegen dessen, was mir erzählt worden war, war Werner nicht nur einmal vor der Ehe mit meiner Mutter verheiratet und Vater gewesen, sondern hatte schon drei vorherige Ehen hinter sich, aus denen er jeweils eine Tochter hatte. Mit Ausnahme eines losen Kontakts zu der Ältesten hatte er keinerlei Kontakt zu seinen Kindern, und jetzt kommts: Die Halbschwestern kannten sich gegenseitig auch nicht.
Ich fiel aus allen Wolken. Dann nahm ich telefonisch Kontakt zu einem mir empfohlenen Berliner Fachanwalt für Erbrecht auf. Es war ein netter Mann am Telefon, der sich offenbar freute, einer tausende Kilometer weit entfernten Frau einen Crash-Kurs in Sachen Erbengemeinschaftsrecht zu geben. Einen Zahn zog er mir gleich: Ich war nicht automatisch mit dem Besitz des Erbscheins meiner Mutter aus dem bizarren Familienverband raus, wie ich gehofft hatte – ich war nun Teil einer neu entstandenen Erbengemeinschaft. In einem unnachahmlichen Berliner Slang erklärte er mir etwa vierzig Minuten lang die durch das Ableben Werners entstandene Sachlage und gab mir – alles dies völlig kostenfrei – noch den schönen Rechtsanwaltsspruch mit auf den Weg: Eine Erbengemeinschaft ist eine Zwangsgemeinschaft, deren einziges Ziel aller Beteiligten ist, so schnell wie möglich und so weit wie möglich voneinander wegzukommen.
Ein Segen war auch der sehr nette leitende Kriminalhauptkommissar von der Polizei, der nach eigenen Angaben aus dem Rheinland stammte und Jahre gebraucht habe, sich an die rauhen Berliner Umgangsformen zu gewöhnen. Das kam auch zum Tragen, da sowohl er als auch ich das zweifelhafte „Vergnügen“ hatten, uns mit der einzigen greifbaren Tochter von Werner in Verbindung setzen zu müssen. Der Begriff „Berliner Schnauze ohne Herz“ trifft es vielleicht am deutlichsten, und zu der recht unwilligen Tochter, der der Tod ihres Vaters im Moment so gar nicht in den Kram passte, gesellte sich noch ein stets im Hintergrund soufflierender Ehemann. Aber: Ich kam eben an dieser Tochter nicht vorbei, wenn ich – wie es ursprünglich mit Werner geplant war – die Sachen meiner Mutter, die zu unserer Familie gehörten, in meinen Besitz bekommen wollte.
Da war es gut, dass ich in dem Anwalt und dem Kommissar zwei sehr angenehme Menschen an meiner Seite wusste. Letzterer empfahl mir, eine bevollmächtigte Person zu benennen, die an meiner Stelle bei der Erstbegehung der elterlichen Wohnung dabeisein und Akten, Fotos, Unterlagen und Persönliches für mich an sich nehmen konnte. Diesen Part wiederum nahm meine Freundin Martina an, der ich für immer dafür dankbar sein werde. Ich weiß nicht, was noch da gewesen wäre, hätte Martina mir nicht diesen Freundschaftsdienst erwiesen. Denn wie schnell es hätte schiefgehen können, ahnte ich, als mir die Tochter eines Tages am Telefon erklärte, sie habe das Sparkassenbuch meiner Mutter bei sich zuhause (welches die Bank dringend benötigte), und als ich sie bat, es mir in Berlin zu übergeben, damit ich es zur Bank bringen kann, hörte ich den Ehemann im Hintergrund sagen: „Das musst du nicht, das können wir doch machen!“ Nein, konnte er nicht, was ich ihm auch klarmachte, weil darüber ein Protokoll angefertigt werden musste, welches ich in der Bank unterschreiben musste. Ein andermal meinte meine neue Stiefschwester, sie sei gerade dabei, die Krankenakten meiner Mutter zu lesen. Was gab ihr das Recht, das zu tun und es mir noch beinahe euphorisch mitzuteilen?
Mehr als einmal schluckte ich in diesen Tagen und Wochen vor meinem Flug nach Berlin meine Wut und meinen Stolz herunter, um mich nicht schon vor unserem ersten persönlichen Treffen in Berlin mit ihr zu streiten. Ich konnte erst Anfang Mai nach Berlin kommen, weil sich vorher der lange geplante und noch mehr heiß ersehnte Besuch zweier Freundinnen aus Berlin bei mir angesagt hatte und es auch aus vielen anderen Gründen erst ab Mai einigermaßen vertretbar war, zu reisen. Und es waren nur vier Tage möglich, bevor ich wieder in Kefalonia sein musste – ein wahrer Marathon!
Ich habe Martina dann auch, neben einem Essen beim Griechen in Friedrichshagen, als Dankeschön die relativ neue, digitale Nähmaschine meiner Mutter geschenkt, über die sie sich sehr gefreut hat, und eine sehr gute alte Schneiderschere. So hat sie was zum Erinnern – immerhin kannte sie ja meine Mutter recht gut aus meiner Schul- und Jugendzeit.
Sowohl der Polizeihauptkommissar als auch der Fachanwalt waren, wie gesagt, wahre Lichtblicke in den schwierigen und stressigen Wochen seit Werners Tod gewesen, und ein wenig erinnerten mich diese Männer an einen Beamten der Berliner Kriminalpolizei, mit dem ich einmal vor vielen Jahrzehnten Kontakt gehabt hatte und der, ich zitiere, gerne mal mit mir „im Schleudergang nach Mallorca“ gewollt hätte, obwohl er nach eigenen Angaben „vom anderen Ufer“ und sein Ansinnen also nicht unmoralisch gemeint war. Wir hatten uns einfach „knorke“ verstanden, wie der Berliner sagt, und ich habe ihm ein kleines literarisches Denkmal in meinem ersten Buch „Zwischen den Welten“ gesetzt.
Auch bei der Flugbuchung gab es zwei nette, recht junge aber sehr versierte Männer im Reisebüro, die mir dabei halfen, nicht via Rhodos, Kreta, Manchester oder Oslo nach Berlin fliegen zu müssen, sondern nur via Athen und Frankfurt bzw. auf dem Rückweg via Amsterdam. Man soll es nicht glauben, aber zwischen Athen (Hauptstadt) und Berlin (Hauptstadt) wurden, zumindest Anfang Mai, keine Direktflüge angeboten.
Dann musste ich im Vorfeld der Reise noch in Irland eine Europäische Reiseversicherungskarte beantragen, da meine alte nicht mehr gültig war, denn ich hatte ja beschlossen, nicht mehr reisen zu wollen. Dazu habe ich einen Tag lang in ganz Irland herumtelefoniert, bis ich endlich den zuständigen Sachbearbeiter am Apparat hatte. Seine Telefonnummer schien ein gut gehütetes Geheimnis zu sein, aber letztendlich fand ich heraus, dass er in einem ehemaligen Irrenhaus sitzt und auch einen Anschluss hat, dessen Nummer mir ein netter Mensch am Ende eines langen Telefoniertages verriet.
Dies alles tat ich, während ich versuchte, einen normalerweise sich über vier Wochen streckenden, absolut notwendigen Frühjahrsputz in 10 Tagen hinter mich zu bringen, all das bei nassem und nicht gerade frühlingshaftem Wetter und unter enormem Zeitdruck. Dann kam auch noch der Hilferuf einer älteren Berliner Bekannten, der es nicht gut ging und die dringend Unterstützung brauchte. Um sie kümmerte ich mich dann auch noch in Berlin, neben einem Besuch am Geburtstag meiner Mutti auf dem Friedhof, Treffen mit den Stiefschwestern und zwei Terminen bei der Bank.
Von den drei Schwestern war eine, also meine Kontaktschwester, schon da, die mittlere hatte telefonisch „kein Interesse“ bekundet, und die jüngste Schwester kam später dazu. Und fiel erstmal beinahe in Ohnmacht, denn sie war völlig ahnungslos darüber, dass wir existierten. Sie habe nur gehört, dass sie sich zu diesem Termin in der Wohnung des verstorbenen Vaters einfinden sollte. Dass da eine Halb- und eine Stiefschwester auf sie warteten, verschlug ihr erstmal die Sprache. Es lief dann aber, auch dank der Hilfe meines Sohnes Thomas, wider Erwarten recht gut; Thomas hat ein gutes Händchen, mit solchen Charakteren umzugehen – immerhin hat er jahrelang selber Haushalte aufgelöst. Und wir drei stellten fest, dass wir jeweils an ganz unterschiedlichen Dingen Interesse hatten und es keinen Streit gab.
Die Wohnung, obwohl Ärzte, Polizei, Stiefschwester und Freundin und sicher noch andere Leute mittlerweile dort gewesen waren, sah immer noch wie geleckt aus; keine Fingerabdrücke auf der polierten Oberfläche der Schrankwand, kein Stäubchen, der Teppich zum Niederknien und Davon-Essen-Können. In den Schränken unendlich viele Sachen, auch gehortet, aber vorbildlich sortiert und beschriftet. Wir hätten sofort einen Schreib- und Kosmetikwarenladen eröffnen können. Im Keller kein Stäubchen, alles fein geordnet, neben den Maschinen, Werkzeugen und Materialien auch ein Warenlager von Lebensmitteln und Körperpflegesachen. Offenbar hatte man den dritten Weltkrieg erwartet, gemessen an der Zahl der noch originalverschlossenen Shampooflaschen und 12 Elektrorasierer. Niemals jedoch würde man auf die Idee gekommen sein, es handele sich um Wohnung und Keller einer dementen 84-jährigen und ihres 94-jährigen Ehemannes.
Allerdings war es schon sehr eigenartig, dass da plötzlich ganz wildfremde Menschen in den Sachen meiner Mutti herumwühlten, und ich hätte doch gerne in Ruhe und ohne Druck die Dinge begutachtet und auch von vielem, das noch aus meiner Kindheit stammte, Abschied genommen. Immerhin war diese Wohnung auch einmal mein Zuhause als Kind gewesen.
Ich brachte das Sparbuch meiner Mutti zur Bank und wurde darüber aufgeklärt, dass die gesamte Anelegenheit erst bearbeitet werden könne, wenn auch die dritte Schwester, die nichts mit alldem zu tun haben wollte, sich offiziell erklärt hat. Und dass ich eine Unbedenklichkeitserklärung vom Finanzamt haben muss. Leider war das Finanzamt weder am Freitag noch am Montag offen; dazu kommt, dass ich gar keine Steuer-ID-Nummer habe, da diese erst 2009 eingeführt wurde, ich aber schon 1999 ausgewandert bin. In den letzten 24 Jahren war ich in Deutschland steuerlich nicht ansässig, und das alles erschwerte nochmals das Ausfüllen aller notwendigen Formulare, die online ohne Steuer-ID nicht reagieren wollten. Aber irgendwie schaffte es dann auch die Bankberaterin, den PC zu überlisten.
Es kam mir nicht wie dreieinhalb, mit An- und Abreise rund sechs Tage vor, sondern wie zwei Wochen. Das ganze Paket mit Freundinnenbesuch und anschließendem Berlin-Trip erschien wie ein Monat.
Als ich zurück nach Hause kam, litt ich unter Jet-lag, obwohl das bei einer Reise von Berlin nach Griechenland gar nicht möglich ist.
Um 11 Uhr nachts dachte ich, es sei 11 Uhr am Vormittag und wunderte mich, dass es noch so dunkel war. Und ich träumte so real, dass ich tatsächlich meinte, mit meiner Nachbarin gesprochen zu haben, obwohl sie gar nicht im Lande ist, sondern den Frühling und Sommer in Österreich verbringt.
Man kann wirklich sagen: Ich stand völlig neben der Spur! Ich war wie zweigeteilt, wobei der eine Teil dem anderen beim Agieren zusah. Jetzt, in der Rückschau, merke ich erst, wie sehr ich eigentlich „außer Betrieb“ war – und dennoch erstaunlich funktionierte. An manchen Stellen habe ich heute riesige Erinnerungslücken. Vielleicht hat mein Körper einfach zum Schutz vor Überlastung auf „Autopilot“ geschaltet.
Ich brauchte Tage, um wieder zu meinem inneren Rhythmus zu kommen.
Jetzt kommen auch meine spirituellen Energien und eine gewisse Leichtigkeit zurück. Ich bin wieder bei mir, wieder eins.
Ich habe gemerkt, dasss ich mich in Berlin nicht mehr zuhause fühle, aber dennoch dorthin gehöre und ein Teil von mir immer dort sein wird. Wie groß dieser Teil ist, wurde mir erst dieses Mal richtig bewusst. Es war anlässlich einer Fahrt mit der Straßenbahn von Alt-Köpenick nach Friedrichshagen. Entlang der gesamten Strecke, an jedem zweiten Haus, zu fast jeder Ecke, weiß ich eine Geschichte, einen Bezug, aus meinem Leben. Das Rathaus, in dem ich gearbeitet, viele Stunden in politischen Debatten verbracht und geheiratet habe, die Kirche, dann die alte Schule; die Augenarztpraxis, in der ich viele Stunden meines Lebens verwartet habe; die Physiotherapie, der Kinderarzt, unsere zweite Berliner Wohnung, mein Schulweg, meine zweite Schule, das Gericht in dem ich gleich nach „Maschine“ Dieter Birr von den Puhdys geschieden wurde; eine Arbeitsstelle, dann die Arbeitsstelle meiner Mutti ... und so weiter, und so fort ... Ich könne ein ganzes Buch darüber schreiben.
Die Musik zu meinem kleinen Reisevideo habe ich mit Bedacht gewählt. Ich hatte sie im Flugzeug im Ohr. Der französische Sänger Laurent Voulzy besingt seine karibische Heimat, in die er nicht hineingeboren wurde, die er aber im Herzen hat. Mich berührt dieses Lied sehr.
Ich habe Dinge gefunden oder wiedergefunden: Die alten Fotos meiner Urgroßeltern, die Trauringe meiner Großeltern von 1928, Familienunterlagen; eine DVD mit den alten 8-mm-Filmen meines Vaters von mir als Kind. Darin sind meine ersten sieben Jahre dokumentiert, bevor er uns dann verließ. Vieles erinnere ich wieder, und doch fehlt einiges, das mir wie gestern erscheint und doch schon so lange her ist: Schönefeld, der alte Flughafen, zu Zeiten, als man noch aufs Rollfeld durfte und ich sogar einmal mit meinem Vati einen Propeller anschieben durfte. Noch nichts zu spüren von Terror, High Security und Gefahrenabwehr.
Es fehlt auch der Weihnachtsmarkt auf der damals wohl schon zur Karl-Marx-Allee umbenannten Stalinallee, aber noch um das Stalindenkmal herum – den Duft von gebackenen süßen Krapfen habe ich noch heute in der Nase ...
Die Mecklenburger Seenplatte, mit dem Haus auf Stelzen im Wasser, meinen ersten Schwimm- bzw. Tauchversuchen, einem Hund namens Guri von der Mechteburg und meiner ersten Begegnung mit dem Buch „Bambi“, das mir vorgelesen wurde und gegen dessen Text ich mich innerlich sperrte. Ich ahnte damals, dass ich mein Leben lang an dem Leid, das Tieren widerfährt bzw. zugefügt wird, würde leiden müssen.
Auch mein kleines Schatzkästchen, das ich verloren glaubte und von dem ich bis vor Kurzem oft träumte, war noch da –fragil, beschädigt, aber es existiert noch. Ein kleines Wunder ...
Ich habe viel gelernt, auch noch einmal Sachen, die meine Mutti betreffen. Dinge die mich erstaunen, beunruhigen, im Nachhinein erschrecken oder auch beruhigen – je nachdem.
Es stellte sich heraus, dass mein Sohn seinem „Opa Werner“ weit näher stand als dessen eigene Töchter. War Werner doch nach dem frühen Tod meines Vaters der einzige Opa, den Thomas noch hatte.
Meine Freude über das Treffen mit allen meinen Enkeln wäre einen weiteren langen Bericht wert, aber den behalte ich lieber nahe bei mir in meinem Herzen und in meinen Erinnerungen. Es gibt Dinge, die kann man einfach nicht beschreiben. (Hier unten sind Lumen, Anouk, Skadi und Oona im Bild.)
Und auch kleine „Zufälle“ ereigneten sich, die ich – wie immer – nicht für Zufälle halte.
Als Johns Mutter starb, „erbte“ ich ein altes Küchenmesser von ihr, das seither unentbehrlich in unserem Haushalt wurde und sogar, dank einer Rubrik in der Wocheneitung „DIE ZEIT“, welche „Das ist mein Ding“ betitelt war, per Bild und Text zu einigem Ruhm kam. Nun fand ich ein ebensolches altes Küchenmesser auch bei meiner Mutter, zusammen mit dem Kartoffelstampfer meiner Oma. Ehrlich – das sind mir, zusammen mit meinem alten Schatzkästschen, die liebsten Erbstücke von allen.
Der andere „Zufall“ hat noch einmal mit Musik zu tun: Als ich für meine Mutti am Tag ihrer Beisetzung ein Video ins Netz stellte, in dem ich die mir zur Verfügung stehenden Fotos zusammenstellte, wählte ich dafür den musikalischen Titel „Liebe ist alles“ von Rosenstolz. Erst kürzlich erfuhr ich, dass die Großnichte meines Ex-Partners, welcher – wenn auch nicht blutsverwandt – einen wesentlichen Anteil an der Erziehung meines Sohnes hatte und von ihm als Vater empfunden wird, eine bekannte Musical-Darstellerin geworden ist. Gegenwärtig spielt sie eine Hauptrolle in dem Musical „Romeo und Julia – Liebe ist alles“, in dem dieses Lied eine zentrale Rolle hat.
Mittlerweile geht die Verwirrung, in die die Existenz der drei Stiefschwestern mich gestürzt haben, weiter. Die mittlere Schwester hat sich immer noch nicht erklärt, aber alles Weitere hängt daran. Die Wohnungsgenossenschaft bekommt ab Juni keine Miete mehr, weil das Konto nun gesperrt ist. Ich kann da gar nichts tun, das wäre Sache der Schwestern. Die aber sprechen nicht mit einer Stimme und sind auch noch ohne Erbschein, also bin einzig ich mit meinem bereits erteilten Erbschein bei der Bank auskunftsberechtigt und als Ansprechpartner akzeptiert. Und da ich als einzige mit Bank, Wohnungsgesellschaft und Gerichten kommuniziere, kommt jeder zu mir. Mittlerweile erklärt mir die jüngste der Schwestern, worauf und worauf nicht ich angeblich einen Erbanspruch habe – und will mich auszahlen, mit anderen Worten: loswerden.
Sie hatten genügend Zeit, sich zu einigen und die Wohnung an die Genossenschaft zurückzugeben. Jetzt müssen sie in Vorkasse gehen. Ich kann nur hoffen dass der Umstand, dass sie jetzt selber die Miete zahlen müssen, die Geschwister aktiviert. Und irgendwo wartet jemand sehnlichst darauf, endlich eine Wohnung beziehen zu können, die einfach ungenutzt da ist und nicht frei wird.
Wenn sie dann den Erbschein und alles geregelt haben, MUSS ich nochmal nach Berlin. Das „Abenteuer“ ist also noch lange nicht vorbei ...
Stand 7. Juni 2023:
Nachtrag: Es hat sich mittlerweile was bewegt, nämlich offenbar die Schwestern. Sie haben Ende August einen Termin bei der Bank. Na, mal sehen ...
Stand 18. November 2023:
Der Termin bei der Bank wurde abgesagt. Dann hörte ich wochenlang nichts. Endlich raffte ich mich im Oktober 2023 auf und rief die Schwestern an. Mühsam zerrte ich aus ihnen heraus, was im Hintergrund lief (man konnte den Endruck gewinnen, ich würde mich hier in etwas einmischen, was mich nichts anging). Das Problem ist die mittlere Schwester, die das Erbe ausgeschlagen hat. Nun hat diese ihrerseits aber Kinder; dem Vernehmen nach mehrere, und diese sind auch sicher alle schon lange volljährig. Und nach Recht und Gesetz kommen die Kinder für den Erbteil als Erben in Betracht, wenn das Elternteil ausschlägt. Also müssen sich nun alle ihre Kinder und - bei erneutem Ausschlagen - deren nicht mehr minderjährige evtl. vorhandenen Kinder erklären ... und das kann dauern. Wenigstens gelang es mir, den beiden Schwestern unabhängig voneinander klarzumachen, dass mich das sehr wohl etwas angeht, da es ja auch meinen schon geklärten Erbanspruch betrifft, und mitnichten eine "interne" Angelegenheit der Töchter von Werner ist. Und ... dass es sich durchaus lohnt, die Sache etwas zu beschleunigen ... Na, mal sehen, ob wir es noch erleben werden ...
Stand Ende September 2024:
Viel Zeit ist vergangen, eine Menge ist geschehen, vieles wurde innerlich verarbeitet. Ich habe einen "Abschluss" für mich gefunden, und der letzte Akt zu diesem Abschluss ist ein Kapitel, das ich für meinen demnächst geplanten Erzählband "Nachschlag" geschrieben habe. Dieses Kapitel wird den beiden gar nicht wohlmeinenden Stiefschwestern in den nächsten Wochen per Post zugestellt werden (ein bisschen Rache muss sein). Er heißt:
Über Geld & Anstand ... und geht wie folgt:
Manchmal nutze ich meine Fähigkeiten als Autorin, um Stress abzubauen. In diesem Fall nutze ich sie, um mich von etwas für immer zu verabschieden, das mich in den letzten Monaten entschieden zu viel wertvolle Zeit gekostet hat. Da aber jede Sache immer zwei Seiten (also auch eine gute) hat, will ich hier in Form der nachfolgenden Geschichte wenigstens noch literarisch „profitieren“.
Dass viel Geld zu haben und anständig zu sein in den meisten Fällen nicht Hand in Hand gehen, kann man immer wieder auf der großen Weltbühne erleben. Wie alles spiegelt sich das Große aber auch immer im Kleinen, und es ist dabei unerheblich, ob es sich um Milliarden handelt oder um einen Betrag von, sagen wir, tausend Euro.
Zum persönlichen Hintergrund: Der tragische Tod meiner Mutter, deren einziges Kind ich bin, und kurz darauf ihres Mannes ließ eine Erbschaftssache entstehen und rief entfernte angeheiratete Verwandte auf den Plan, von deren Existenz ich nichts wusste und die von ihren eigenen familiären Verworrenheiten ebenfalls nicht viel gewusst zu haben scheinen, da es auf deren Seite nur knappe bzw. gar keine Beziehungen zueinander und vor allem zu den Verstorbenen gegeben hatte. Völlig unverhofft – und im Übrigen juristisch völlig legal – regnete nun ein Geldsegen auf diese Personen. Dabei durften sie sich nicht nur das Erbe ihres Erblassers, sondern auch noch das halbe Erbe meiner Mutter teilen. Soweit, so gut. Moralische Bewertungen haben im Erbrecht – leider – nichts verloren.
Der Umgang mit mir als Miterbin war nicht gerade freundlich, aber was sollte es: Die Bank regelte das Allermeiste. Dann aber kam es zu einem letzten Gegenstand aus dem Besitz der Verstorbenen, dessen Wert unter uns aufgeteilt werden musste, und da fielen die Masken. Ein von meinen Miterben vor der Regelung des Erbes gemachtes Angebot wurde nicht realisiert, meine sachlichen Emails wurden teilweise patzig und teilweise gar nicht beantwortet, eingeschriebene Briefe nicht beantwortet und am Schluss wohl nicht einmal mehr entgegengenommen.
Ein unabgeholter Brief kam per Post zurück. Mit anderen Worten: Vogel-Srauß-Politik – Kopf in den Sand, dann verschwinden vermeintlich auch die Probleme.
Worum ging es? Angesichts einer ansehnlichen fünfstelligen Summe, die jede beteiligte Person ohne eigenes Zutun geerbt hatte, ging es um genau 1.000,- Euro – für jeden meiner Miterben also 500,- Euro.
Ich bin keine Prinzipienreiterin. Mir waren dieser Tausender, der mir rechtlich natürlich nach wie vor zusteht, schon fast von Beginn an nicht wirklich wichtig. Und eine Klage deswegen anzustrengen wäre die von meiner Oma oft zitierte Speckschwarte gewesen, die man nicht nach dem Schinken wirft, weil der Aufwand den Nutzen in materieller wie nervlicher Hinsicht um ein Vielfaches übersteigt.
Hätte ich den Betrag, wie großspurig angeboten worden war, dann auch bekommen, hätte ich ihn an den lokalen Tierschutz gespendet, um damit dringend nötige Sterilisierungen von Streunern finanzieren zu helfen. Denn mittlerweile hatte sich noch etwas Unerwartetes in meinem Leben ereignet: Ich, die in den letzten Jahren niemals mehr Geld auf dem Konto gehabt hatte, um in Fall des Falles anständig unter die Erde befördert zu werden, griff nach nach dem kleinen, aber doch feinen Rest-Erbe meiner Mutter noch in einen anderen Glückstopf und muss mir nun plötzlich im Alter wirklich keine Sorgen mehr machen.
Wie das Schicksal es so will, war ich in meinem Freundeskreis nicht die Einzige, die plötzlich die Eltern verlor und am eigenen Leib erleben musste, was man immer so hörte: Wenn es ums Geld und vor allem ums Erben geht, zeigt sich der wahre Charakter des Menschen und man kann studieren, wie weit eine völlig unbegründete Missgunst zwischen völlig fremden Menschen gehen kann.
Hier kommt der Anstand ins Spiel. Menschen meiner Generation (das Einzige, das ich mit den Miterben gemein habe) sollten eigentlich doch gelernt haben, sich anständig zu verhalten. In der DDR wuchsen wir mit dem sehr schönen Spruch „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“ auf. Das Mindeste, so dachte ich, sei, einen sachlich geschriebenen Brief sachlich zu beantworten oder ihn zumindest zur Kenntnis zu nehmen. So verhalten sich, in meiner Vorstellung, Erwachsene.
Aber kommen wir von dieser vergleichsweise unbedeutenden privaten Angelegenheit wieder aufs große Bild.
Meine Mitmenschen sind oft nicht so, wie ich es mir wünsche. Das Leben ist nicht gerecht, viele Leute sind zur Vernunft nicht in der Lage. Daraus entstehen Kriege – in Familien und in der Welt. Es gibt Millionen, ja Milliarden Menschen, die in wirklicher Not, in wirklichem Unglück leben und mit denen sich zu vergleichen schon der Anstand verbietet. Dennoch lebt man in seiner Blase und vergleicht natürlich zuallererst innerhalb dieser.
Es gibt den schönen englischen Spruch: „What goes around, comes around ...“ und die legendäre New Yorker Richterin Judge Judy ergänzte das immer noch um den Satz „ ... and bites you in your behind!“ (Etwa: „Was man aussendet, kommt auf einen zurück ... und beißt dich in den Hintern“) Und wenn, was ich nach jahrzehnelangen Recherchen zum Thema Leben und Tod herausgefunden zu haben glaube (und nicht nur ich), dieses Leben beiweiten nicht ALLES ist, dann wird es eine irgendwie geartete ausgleichende Gerechtigkeit geben. Ob die von einem Gott kommt oder (vermutlich) von uns selber, sei dahingestellt.
Meine Erfahrung ist, und ich habe das in einem vorherigen Buch schon einmal geschrieben: Reiche, gierige, machtbesessene Menschen (wie z.B. ein gewisser US-Ex-Präsident) sind keine glücklichen Menschen. Sie können sich weder Liebe noch am Ende Gesundheit und schon gar nicht Zufriedenheit kaufen, und auch ein guter Charakter ist im „Superstore“ des Lebens, wo es vielleicht goldene Toiletten geben mag, leider für kein Geld der Welt zu haben.
Daher meine Bitte an alle, die das jetzt lesen: Lasst uns doch den wahren Wert im Leben erkennen – und unsere Zeit hier auf der Erde mit Anstand und Integrität, vor allem mit Ehrlichkeit gegen uns selber und andere, bewältigen. Dann wird alles ein bisschen leichter und vor allem viel, viel freundlicher.
Denn Hass macht hässlich, Freundlichkeit und Ehrlichkeit jedoch bereiten nichts als Freude und Glück.
Dies ist meine wohlmeinende Abschieds-Botschaft.
Auf ein fröhliches Nimmer-Wiedersehen!